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Das Kalkriff mitten in Las Palmas

Auf einer Länge von 1500 Metern verläuft in Las Palmas de Gran Canaria parallel zum Strand Las Canteras das Kalkriff „La Barra“, welches bei Ebbe rund 1 Meter aus dem Wasser und den Wellen des Atlantiks ragt. Bei Flut ist vom Kalkriff (ohne Taucherbrille) nichts zu sehen, denn es versinkt durch die steigende Flut im Wasser. Ist die Flut am Höhepunkt, brechen über dem Riff bei optimalen Bedingungen sogar ein paar traumhafte Wellen, welche aber nur ohne Gefahr zu „surfbar“ sind, wenn man den Untergrund aus dem sogenannetn „FF“ kennt. So wagen sich meist nur die „Locals“ auf diesen Spot.

Kalkriff in Las Palmas de Gran Canaria

Bei Flut ist die Barra Spielplatz der Surfer, welche bei Ebbe von Tauchern, Schwimmern und Sonnenanbetern abgelöst werden. Wie ein riesiges, längliches, zackiges Reptil taucht die Barra bei Ebbe aus dem Wasser und schützt so den zwischen Riff und und Strand gelegenen Abschnitt vor den an anderen Strandabschnitten wie der „La Cicer“ ein Bad oft verunmöglichenden, riesigen Wellen.

In jenen wenigen Stunden
verwandelt sich dieser Bereich in ein wahres Schnorcheltauch-Paradies. In nur rund 5 Minuten kann man vom Strand raus zum Riff kraulen und sich dann dort faul in einem der natürlichen Becken niederlassen und das sich bis zu 35 Grad aufheizende Wasser und die warmen Sonnenstrahlen geniesen. Auf dem Weg dorthin begegnet man, vorrausgesetzt man legt sich um rund 25 Euro ein Schnorchelset zu, Tintenfischen, Kampffischen (keine Angst diese Fische nicht so grössenwahnsinnig einen Menschen anzugreifen) und jeder Menge anderer bunter Gesellen, welche das österreichische Auge ansonsten nur aus dem Tierhandel oder Aquarium kennt. Einer der beeinbruckensten Bewohner der Barra ist wohl der kanarisch Tintenfisch, welcher schwer auszumachen ist, da nur sein Kopf und seine erschreckend intellingt wirkenden Augen aus dem Sandgrund ragen. Aus eigener Erfahrung kann ich empfehlen diese seltsamen Viecha (öst.=Tiere) aus sicherer Entfernung zu betrachten, denn ich musste bereits einmal vor einer „Unterwasser-Tintenwolke“ flüchten, welcher mir einer diese unberechenbaren Meeresgenossen entgegenblies. Oder vielleicht komme ich das nächste mal mit einem Plastissack zurück und hol mir gratis Füllung für meinen Kugelschreiber 🙂

Entspannt man in einer der bereits erwähnten natürlichen Becken im lauwarmen Wasser, beobachtet Krebse die für ihre Verhältnisse riesige Muscheln auf ihrem Buckel „herumzarren“ (österreichisch = herumtragen), Möwen die sich um den besten „Sitzplatz“ am nur wenige Meter entfernten Nachbarfelsen streiten und dann neugierig in Richtung Mensch krächzen und äugen, die vor dem Riff brechenden Wellen und die langsam über den tiefblauen Himmel wandernden Wolkenformationen fühlt man sich plötzlich ganz weit weg von Las Palmas und dessen für eine Grosstadt leider unvermeidlicher Hektik.

Nach einer halben Stunden im lauwarmen Wasser
fällt der Sprung in den nun eiskalt wirkenden Atlantik schwer, doch man wird am Rückweg wieder mit einzigartigen Bildern aus der kanarischen Unterwasserwelt belohnt. Die Sonne wirft ein fast irreal-schönes Licht auf den abwechselnd mit grünen Algen, Lavafelsen bis hin zu Unterwasser-Wüsten belegten Untergrund. Absolute Stille – nur der eigene Atem und das weit entfernt wirkende Rauschen der Wellen untermalen akustisch die Szenerie.

Die Barra ist einer jener Orte, der die Zeit als menschliche Erfindung zur Selbstgeiselung und Kontrolle seiner eigenen Rasse entlarvt. Minuten werden zu Stunden, ein Moment verewigt sich in der Erinnerung eines Menschen bis zu dessen letzten Tag auf dieser Erde. Schliesst man kurz die Augen und geniest mit allen Poren seines Körpers diesen Augenblick, kann man (mit zugegebenermassen einer grossen Portion Vorstellungskraft) vor seinem geistigen Auge die Ureiwohner Gran Canarias fischend, spielend und faulenzend auf dem Kalkriff sehen. Der Canteras Strand war nämlich auch schon vor dem Einfall der Spanier auf Gran Canaria bewohnt – und zwar von den Guanchen, welche grossteils in natürlichen Höhlen wohnten. Eine der hunderten heute noch erhaltenen Höhlen kann man direkt in Las Palmas, oberhalb des Strandes El Confital, im Stadtviertel La Isleta besichtigen – dazu aber ein anderes Mal mehr. Zurück zum Thema.

Das Wasser wird immer flacher bis man schliesslich wieder im mehr für den Menschen geschaffenen Element Erde ankommt. Man blickt in die Gesichter hunderter Sonnenanbeter, hört ihr Gemurmel und Geschreie und stolpert später immer noch von den Eindrücken der Wasserwelt verzaubert durch den stinkenden und lärmenden Verkehr von Las Palmas.

Zu Hause angekommen wird der PC angeworfen und man arbeitet mit der in der Natur gewonnenen Energie doppelt so schnell und kreativ.

Lebensqualität ist ein Wert, den man nicht nur mit Geld erkaufen kann.
Manchmal muss man sich auch ganz einfach nur den Ort aussuchen, an dem man sich am wohlsten fühlt, und an dem frostige Morgen, graue nebelige Novembertage, Dunkelheit um 16 Nachmittag und vereiste Autoscheiben ein Fremdwort sind.

Die Barra ist einer jener Orte, die diese Stadt zu einer Einzigartigen machen, denn in welcher europäischen Metropole ist ein solches Naturerlebniss noch möglich?

Mehr zum Thema Tauchen in Las Palmas und der Barra findet ihr z.B. auf laspalmas24.com.